Zwölf Kordeln, ein Holzstab und drei Knoten, die du dir in einer Kaffeepause merken kannst – so einfach ist ein Makramee-Wandbehang, wenn man ihn einmal in Einzelteile zerlegt. Ich habe das Muster für meine Anfänger-Workshops in Dresden so weit runtergekocht, dass es wirklich beim ersten Versuch klappt, ohne dass du eine Stunde mit Auftrennen verbringst. Am Ende hältst du ein kleines, dreieckiges Textilbild in der Hand, das an jeder Wand funktioniert – egal ob Baumarkt-Kordel oder Fachhandel-Garn.
Das richtige Material: Kordeln, Holzstab und Werkzeug

Bevor der erste Knoten sitzt, entscheidet sich hier schon, ob das Ergebnis später gleichmäßig hängt oder schief zieht. Ich nehme Baumwollkordel mit 3 mm Durchmesser, weil sie sich griffig knüpfen lässt und die Knoten schön plastisch stehen bleiben – dünnere Kordel rutscht gerade Anfängerinnen zu leicht wieder auf.
- 12 Kordeln à 200 cm exakt zuschneiden – lieber einmal mehr nachmessen als am Ende zwei Zentimeter fehlen
- 1 Holzstab, ca. 35 cm, glatt geschliffen, notfalls ein alter Besenstiel aus dem Keller
- Maßband und eine scharfe Schere bereitlegen, stumpfe Klingen fasern die Enden schon vor dem ersten Knoten auf
Ich schneide immer alle Kordeln auf einmal zu, nicht Stück für Stück nebenbei – das spart später beim Knüpfen die Nerven, wenn eine Kordel plötzlich zu kurz ist.
Kordeln am Stab befestigen: der Lerchenkopfknoten

Jetzt kommt der Knoten, der wirklich alles trägt: der Lerchenkopfknoten. Du faltest jede der zwölf Kordeln mittig, legst die Schlaufe über den Holzstab und ziehst die beiden Enden durch die Schlaufe nach unten fest. Am Ende sitzen 24 Strähnen dicht an dicht auf dem Stab, wie auf dem Foto gut zu erkennen ist.
Der Lerchenkopfknoten trägt am Ende das komplette Gewicht des Wandbehangs – zieh ihn wirklich stramm, sonst rutschen dir die Fäden während des Knüpfens langsam auseinander.
Kleiner Tipp aus meinen Workshops: Arbeite dich von der Mitte nach außen vor, dann bleibt der Abstand zwischen den Kordeln automatisch gleichmäßig, statt sich am Ende auf einer Seite zu stauchen.
Erste Reihe: Kreuzknoten in Sechsergruppen

Aus den 24 Strängen werden jetzt sechs Gruppen à vier Fäden. In jede Gruppe knüpfst du einen Kreuzknoten – die klassische Basis fast jeder Makramee-Technik, bei der die äußeren Fäden über die beiden mittleren gelegt und verknotet werden.
- Gleicher Abstand zum Stab bei jedem Knoten, sonst wirkt die erste Reihe später wellig
- Immer von links nach rechts arbeiten, damit die Spannung in allen sechs Knoten identisch bleibt
- Nach jedem Knoten kurz mit den Fingern nachjustieren, bevor du festzurrst
Diese Reihe ist die Grundlinie für alles, was danach kommt – wenn sie schief hängt, zieht sich das durch den ganzen Wandbehang. Also lieber hier zweimal hinschauen als später alles auftrennen.
Zweite Reihe versetzt knüpfen

Für die zweite Reihe lässt du die äußeren Stränge jeder Gruppe bewusst frei liegen und arbeitest nur mit den mittleren Fäden der Nachbargruppen. So entstehen fünf versetzte Kreuzknoten, die optisch genau zwischen die erste Reihe rutschen – das typische Rautenmuster, das Makramee sofort erkennbar macht.
Die frei bleibenden äußeren Stränge sind kein Fehler, auch wenn es sich beim ersten Mal so anfühlt: Sie bilden später die Diagonalen links und rechts. Wer hier ungeduldig alles verknotet, verbaut sich das Muster für die nächsten beiden Schritte.
Linke Diagonale: Rippenknoten schräg zur Mitte

Jetzt wird es technischer, aber genau das macht den Wandbehang am Ende spannend: Du führst links eine Leitkordel schräg nach unten zur Mitte und knüpfst die benachbarten Stränge nacheinander als Rippenknoten darum. Jeder neue Strang legt sich straff über die Leitkordel und wird einmal durchgezogen.
- Leitkordel konstant unter Spannung halten, sonst verläuft die Diagonale nicht gerade
- Jeden Rippenknoten direkt an den vorherigen anschließen, ohne Lücke
- Zwischendurch von vorne prüfen, ob der Winkel wirklich Richtung Mitte zeigt
Auf dem Foto siehst du, wie sich die Diagonale langsam wie ein Herzbogen formt – genau dieses Bild solltest du im Kopf haben, während du knüpfst.
Rechte Diagonale: spiegelbildlich ergänzen

Die rechte Seite ist reine Wiederholung – nur seitenverkehrt. Du legst die Leitkordel von rechts schräg nach unten und knüpfst die Rippenknoten spiegelbildlich zur linken Diagonale. So lange arbeiten, bis sich beide Diagonalen in der Mitte treffen und das große V geschlossen ist.
Wenn beide Seiten nicht exakt aufeinandertreffen, liegt das fast immer an ungleicher Spannung der Leitkordel – ein bisschen wie beim Lackieren, wo ungleicher Druck auf der Spritzpistole für Streifen sorgt. Lieber einen Knoten auftrennen und die Spannung korrigieren, als es am Ende mit Gewalt zusammenzuziehen.
Muster vervollständigen: das kleine V darunter

Für den letzten Musterschritt nutzt du die inneren Stränge, die nach den beiden Diagonalen noch frei hängen. Damit knüpfst du ein zweites, kleineres V direkt unter dem großen – dasselbe Prinzip wie bei den Diagonalen, nur enger und mit weniger Fäden.
Dieses kleine V gibt dem Wandbehang die Tiefe, die ihn vom reinen Dreieck unterscheidet. Auf dem Foto erkennst du gut, wie die Struktur dadurch fast schon dreidimensional wirkt, obwohl es technisch nur eine weitere Reihe Rippenknoten ist. Genau hier merken die meisten in meinen Kursen zum ersten Mal, dass sie das Prinzip wirklich verstanden haben – und nicht nur Schritte nachgemacht haben.
Fransen kämmen und zuschneiden

Jetzt kommt der Moment, der aus einem Knotengeflecht ein fertiges Deko-Stück macht. Kämme alle unteren Kordeln mit einem groben Kamm oder einer alten Bürste glatt – das öffnet die Fasern und lässt die Fransen später weicher fallen.
- Von oben nach unten kämmen, nie gegen die Faser
- Fransen locker über die Handfläche legen und in eine gleichmäßige Spitze schneiden
- Schnitt in kleinen Etappen setzen, nicht in einem großen Zug – so lassen sich Unregelmäßigkeiten noch ausgleichen
Ich schneide grundsätzlich weniger als ich denke, dass nötig ist. Nachschneiden geht immer, nachwachsen lassen nicht.
Fertig geknüpft: aufhängen und Fransen nachformen

Und da ist er: der fertige Wandbehang mit klarer Rautenstruktur, geschlossenem V und einer gleichmäßig zugeschnittenen Fransenspitze. Zum Aufhängen genügt ein Nagel oder ein kleiner Haken am Stab – bei so leichten Textilarbeiten brauchst du keinen Dübel und keine Traglastberechnung wie bei schweren Regalen.
Nach dem Transport oder ein paar Tagen an der Wand lohnt es sich, die Fransen noch einmal mit den Fingern oder dem Kamm nachzuformen, weil sich die Kordel etwas setzt. Das ist normal bei Naturmaterial und kein Zeichen, dass etwas falsch gemacht wurde.
Wenn du bis hier gekommen bist, hast du gerade drei Grundknoten gelernt, mit denen sich fast jedes Makramee-Muster bauen lässt – der Rest ist Variation in Anzahl und Anordnung. Häng dein Stück ein paar Tage auf, schau es dir aus der Ferne an, und du wirst sehen, wo beim nächsten Versuch schon die Spannung sitzt, ohne dass du nachdenken musst.

- Material
- Werkzeug

Was Leser oft fragen
Welche Kordel ist für Anfänger am einfachsten zu knüpfen?
Ich empfehle 3 mm Baumwollkordel. Sie ist griffig genug, dass die Knoten sichtbar bleiben, aber nicht so steif, dass die Finger schon nach der ersten Reihe müde werden.
Wie lange dauert das Projekt insgesamt?
Für Zuschneiden und Bereitlegen brauchst du etwa 15 Minuten, das eigentliche Knüpfen dauert je nach Übung 60 bis 90 Minuten. Wartezeit gibt es keine, du kannst den Wandbehang sofort aufhängen.
Was mache ich, wenn eine Reihe schief geworden ist?
Knoten in Makramee lassen sich mit etwas Geduld wieder auftrennen. Lieber die betroffene Reihe zurückknüpfen und mit gleichmäßiger Spannung neu ansetzen, als das Ergebnis mit Gewalt zurechtzuziehen.
Kann ich statt Baumwollkordel auch günstige Baumarkt-Kordel nehmen?
Für erste Übungsstücke ist das völlig in Ordnung. Für ein Deko-Stück, das dauerhaft an der Wand hängt, greife ich persönlich zu weicherer Bastelladen-Kordel, weil sie sich angenehmer anfühlt und die Fransen schöner fallen.







