Dieses Projekt hab ich in meinen Workshops öfter erklärt als jedes andere - weil es mit Materialien funktioniert, die eigentlich jeder zu Hause hat oder für ein paar Euro im Baumarkt bekommt. Ein Papierbecher, etwas Kreativbeton, ein kleinerer Becher als Platzhalter für die Kerze - fertig ist die Grundausstattung. Was am Ende über Erfolg oder Frust entscheidet, ist nicht der Beton selbst, sondern eine Kleinigkeit, die viele überspringen: das Einölen der Form.
Das Material, das wirklich zählt

Auf dem Foto siehst du meine ganze Grundausstattung fürs erste Stück: ein bunter Papierbecher als Außenform, ein kleiner grüner Becher als Platzhalter für die Kerze, eine Schüssel mit grauem Kreativbeton, ein Glas Wasser, Öl, Malerkrepp, Schleifpapier und ein Teelicht zum Testen der Größe.
- Papierbecher: irgendein stabiler To-Go-Becher, ca. 0,3 Liter - je bunter das Muster außen, desto witziger sieht die geriffelte Struktur später aus
- Kreativbeton: aus dem Bastelladen oder Baumarkt, ca. 3-4 € für eine kleine Packung, reicht für mehrere Stück
- Einsatzbecher: ein kleiner Becher (Espresso- oder Schnapsgröße), passend zum Durchmesser deines Teelichts
Aus acht Jahren Marktverkauf weiß ich: das teure Fachhandels-Feinbeton bringt hier keinen Vorteil gegenüber dem günstigen Baumarkt-Beton - für ein Objekt dieser Größe reicht die einfache Variante völlig.
Warum das Öl über Erfolg oder Frust entscheidet

Hier passiert das, worüber ich in jedem Workshop am längsten rede - obwohl es nur ein paar Pinselstriche sind. Ich fette den Papierbecher innen dünn mit Öl ein, und den kleinen Einsatzbecher außen. Genau andersrum als man vielleicht denkt, aber logisch: Öl kommt überall dorthin, wo später Beton draufliegt und wieder ab soll.
Bei mir in der Ausbildung hieß es immer: der Untergrund entscheidet, was hält. Hier ist es umgekehrt - wir wollen bewusst, dass nichts hält. Zu wenig Öl, und der Beton verklebt sich beim Entformen mit dem Papier, reißt an den Kanten aus. Zu viel Öl stört nicht weiter, also lieber einmal mehr drüberpinseln als zu wenig.
Ein dünner, gleichmäßiger Ölfilm ist der einzige Unterschied zwischen glatten Kanten und einem zerrissenen Rand beim Entformen.
Beton anrühren – die Konsistenz macht den Unterschied

Auf dem Bild rühre ich den Kreativbeton mit dem Holzspatel zu einer dickflüssigen, klumpenfreien Masse - ungefähr wie fester Pudding, nicht wie Suppe. Das Mischverhältnis steht auf der Packung, ich halte mich daran, auch wenn ich nach acht Jahren Gießerfahrung eigentlich ein Gefühl dafür habe.
- Zu flüssig: der Beton setzt sich im Becher ab, die Oberfläche wird uneben
- Zu fest: Luftblasen entkommen schlechter, es entstehen Lunker
Sicherheitshinweis: Betonstaub und angerührter Beton sind alkalisch und reizen die Haut. Ich trage beim Anrühren Handschuhe, beim Abmessen des trockenen Pulvers zusätzlich eine Staubmaske - und das Ganze findet bei mir in der Garage statt, nicht am Küchentisch, wo Ida später mit ihren Buntstiften sitzt.
Einfüllen und gegen Lunker klopfen

Jetzt kommt der angerührte Beton in den geölten Papierbecher - auf dem Foto siehst du, wie ich ihn vorsichtig einlaufen lasse, damit möglichst wenig Luft mit reinkommt. Danach klopfe ich den Becher mehrmals leicht auf die Arbeitsplatte.
Das ist derselbe Trick, den ich bei Kerzen gegen Frosting und Lunker anwende: kleine Erschütterungen bringen eingeschlossene Luftblasen an die Oberfläche, bevor der Beton anzieht. Wer diesen Schritt überspringt, findet nach dem Aushärten kleine Löcher an der Seite oder am Boden - meistens kein Beinbruch, aber ärgerlich, wenn das Stück verschenkt werden soll.
- Langsam einfüllen, nicht in einem Schwall
- 5-10 Mal aufklopfen, bis keine Blasen mehr an die Oberfläche steigen
Der Einsatz für die Teelichtvertiefung

Solange der Beton noch frisch und weich ist, drücke ich den kleinen, geölten Einsatzbecher mittig hinein - genau in dem Moment, den das Foto zeigt. Ich richte ihn dabei mit dem Auge gerade aus und drücke gleichmäßig, damit er nicht schief absackt.
Zwei Dinge können hier schiefgehen: Der Becher schwimmt langsam wieder hoch, weil der Beton zu flüssig angerührt war - dann einfach nochmal nachdrücken. Oder er sitzt zu tief und die Bodenstärke unter der Vertiefung wird zu dünn, was später beim Entformen bricht. Ich lasse deshalb immer mindestens einen Zentimeter Beton unter dem Einsatz stehen.
Klebeband und Geduld: die Aushärtezeit

Damit der Einsatzbecher während des Aushärtens nicht doch noch wandert, fixiere ich ihn mit einem Streifen Malerkrepp quer über den Rand, wie auf dem Foto zu sehen. Danach heißt es: nichts mehr anfassen.
Meine ehrliche Zeitangabe aus vielen gegossenen Stücken: Arbeitszeit rund 20 Minuten, Wartezeit 24-48 Stunden je nach Raumtemperatur und Beton-Sorte - das steht auch auf deiner Packung und lässt sich nicht abkürzen, egal wie neugierig man ist. Bei mir in der Garage steht das Formen-Regal so, dass Ida beim Basteln nebenan nicht versehentlich dran wackelt - frischer Beton verzeiht ungeduldiges Anfassen nicht.
Entformen ohne Risse

Nach der Wartezeit schneide ich den Papierbecher mit einer Schere oder einem Cutter längs auf und löse ihn vorsichtig vom ausgehärteten Beton, wie im Bild zu sehen. Dank des Öls von Schritt zwei löst sich das Papier meist in großen Streifen ab, fast wie eine Bananenschale.
- Klebt das Papier fest? Dann war der Ölfilm zu dünn oder ungleichmäßig - beim nächsten Mal großzügiger einpinseln
- Kleine Ausbrüche an der Kante? Meist noch nicht komplett durchgehärtet - besser einen weiteren Tag warten
Handschuhe trage ich auch hier noch, der Beton ist an der Oberfläche zwar fest, aber Restfeuchte im Inneren kann noch reizen.
Kanten glätten – der Feinschliff

Jetzt ziehe ich den kleinen Einsatzbecher heraus - er löst sich dank Öl meist mit einem sanften Drehen - und schleife Kanten und Boden mit dem Schleifpapier ab, das auf jedem Foto schon bereitlag. Eine mittlere Körnung, etwa 120-180, reicht völlig, um scharfe Ränder zu brechen und die Oberfläche angenehm anzufassen.
Wichtig für den Staub: Ich schleife draußen auf der Terrasse oder mit offenem Garagentor und Staubmaske - Betonschleifstaub sollte man nicht einatmen. Wer möchte, kann den Kerzenständer danach mit einem feuchten Tuch abwischen, damit die feine Betonpatina sichtbar bleibt, statt mit einer Versiegelung, die den natürlichen Look überdeckt.
Das fertige Stück

Teelicht rein, fertig - genau dieses ruhige, graue Zylinder-Stück auf rosa Untergrund ist das Ergebnis der ganzen Arbeit. Kein Hochglanz, keine Versiegelung, einfach die ehrliche Betonoberfläche mit der leichten Riffelung, die vom Papierbecher stammt.
Genau solche unaufgeregten Stücke waren auf meinen Ständen bei den Kunsthandwerkermärkten immer die, die am schnellsten weggingen - weil sie zu fast jeder Einrichtung passen. Wenn du magst, kannst du die Oberfläche später mit Klarlack aus dem Baumarkt matt versiegeln, das macht sie unempfindlicher gegen Wachsflecken, ist aber für den ersten Versuch nicht nötig.
So ein kleiner grauer Zylinder wirkt am Ende fast zu simpel für den Aufwand, den man reinsteckt - aber genau diese Ruhe ist es, die ihn auf jedem Tisch funktionieren lässt. Wenn deiner beim ersten Versuch Risse bekommt, schau dir einfach nochmal an, wie viel Öl auf der Form war.

- Material
- Werkzeug

Gut zu wissen: eure Fragen
Welcher Beton eignet sich zum Kerzenständer gießen am besten?
Für diese Größe reicht handelsüblicher Kreativbeton aus Baumarkt oder Bastelladen völlig - er ist fein genug für glatte Kanten und günstiger als spezieller Feinbeton aus dem Fachhandel.
Wie lange muss der Beton wirklich aushärten?
Rechne mit 24 bis 48 Stunden, bevor du entformst, je nach Raumtemperatur und Beton-Sorte. Die Angabe auf deiner Packung ist verbindlich, ein früheres Entformen führt meist zu Ausbrüchen an der Kante.
Kann ich den fertigen Kerzenständer versiegeln?
Ja, ein matter Klarlack aus dem Baumarkt schützt vor Wachsflecken, ist für den ersten Versuch aber nicht notwendig - die unbehandelte Betonoberfläche sieht ebenfalls schön aus.
Ist das Projekt für Kinder geeignet?
Das Anrühren und Entformen sollte wegen des alkalischen, hautreizenden Betons und möglichem Staub von Erwachsenen übernommen werden. Zuschauen und beim Teelicht-Einsetzen helfen geht aber gut.







