Herbst heißt in unserem Haus: Kastanien in jeder Jackentasche, ein Korb voller Blätter auf der Fensterbank und Ida, die in ihrer Bastelecke in der Garage über die Menge Glitzer verhandelt. Aus sechzig Workshops und ungezählten Nachmittagen am Basteltisch weiß ich, welche Ideen wirklich halten und wo Kastanien, Zapfen oder nasse Blätter einfach nicht mitspielen wollen. Hier sind neun Projekte, die ich selbst mit meiner Tochter gebastelt habe – mit ehrlichen Zeitangaben und den Stellen, an denen es typischerweise klemmt.
Blättergesichter basteln

Blättergesichter sind das Projekt, mit dem ich in Workshops fast nie danebenliege – Kinder ab drei Jahren können schon Blätter auflegen, ältere legen ganze Frisuren mit Scheitel. Auf ein aufgezeichnetes oder ausgedrucktes Gesicht kommt als „Haar“ eine Mischung aus möglichst unterschiedlich gefärbten Blättern.
Wichtig ist, was du sammelst: frisch gepflückte Blätter rollen sich beim Trocknen ein und lösen sich später wieder vom Papier. Ich presse sie deshalb vorher zwei bis drei Tage flach zwischen Zeitungspapier unter einem Bücherstapel – das ist die einzige Wartezeit im ganzen Projekt.
- Ahornblätter für breite Flächen und kräftiges Rot/Orange
- Eichenblätter für gezackte Struktur am Haaransatz
- Birkenblätter für filigrane Ränder
Geklebt wird mit normalem Bastelkleber oder Klebestift – Heißkleber ist hier unnötig und verbrennt gepresste Blätter sofort an den Rändern.
Herbstliche Fensterbilder

Diese Fensterbilder aus Apfel, Birne und Igel laufen bei uns seit Jahren jeden Oktober – sie machen aus jedem Fenster ohne viel Aufwand ein Herbstbild, das echtes Licht durchscheinen lässt. Der Trick liegt nicht im Motiv, sondern im Material: gerissenes statt geschnittenes buntes Transparentpapier, aufgeklebt auf schwarzes Tonpapier als Kontur.
Für die Fläche reißt du das Transparentpapier in unregelmäßige Stücke – gerade Schnittkanten wirken schnell steif, gerissene Kanten dagegen mosaikartig und lebendig. Geklebt wird mit stark verdünntem Kleister oder Klebestift auf der Rückseite, damit später nichts durchscheint.
Damit das Bild wirklich am Fenster hält und beim Abnehmen keine Kleberreste zurücklässt, kommt zwischen Papier und Scheibe eine Lage Klarsichtfolie oder Fensterfolie – ohne die zieht sich das dünne Papier bei Feuchtigkeit windschief. Für Kinder unter fünf lohnt sich, die Umrisse schon vorzuschneiden und nur das Befüllen zu übernehmen.
Kastanien als Kürbisse & Geister

Kastanien als Kürbisse und Geister sind das schnellste Halloween-Projekt, das ich kenne – zehn Minuten Bemalen, kein Kleber, kein Trocknen von Bastelteilen. Trotzdem ist das genau die Stelle, an der meine Malerin-Ausbildung anfängt zu murren: die glatte, leicht wachsige Schale von Kastanien nimmt Acrylfarbe nur widerwillig an.
Ich habe auf Märkten genug angemalte Kastanien gesehen, die nach zwei Tagen aussahen wie abgeblättert – die Farbe hält nicht am Glanz, sondern an der aufgerauten Fläche darunter.
Also: die Schale vor dem Bemalen mit feinem Schleifpapier (Körnung 240) matt anschleifen oder mit dünner weißer Grundierung vorstreichen, erst dann Acrylfarbe in Orange oder Weiß auftragen. Details wie Augen und Mund mit einem feinen schwarzen Stift, zum Schluss ein Hauch matter Klarlack für Haltbarkeit in Kinderhänden.
Und ein wichtiger Hinweis, weil bei uns ständig Dinge im Mund landen: Pferdekastanien sind nicht essbar – bei Kleinkindern, die noch alles probieren, immer in Sichtweite basteln.
Fledermäuse aus Korken

Fledermäuse aus Korken sind mein liebstes Resteverwertungsprojekt – Weinkorken sammeln sich bei uns sowieso das ganze Jahr im Keller-Materiallager. Aus einem Korken, zwei Wackelaugen und ausgeschnittenen Flügeln aus schwarzem Tonpapier wird in fünf Minuten eine kleine Fledermaus.
- Flügel zuschneiden: Schwarzes Tonpapier falten und symmetrisch ausschneiden, damit beide Seiten gleich groß werden
- Flügel und Ohren ankleben: mit der Heißklebepistole am Korken fixieren – sie kühlt in Sekunden aus und hält auf der porösen Oberfläche deutlich besser als Bastelkleber
- Augen setzen und Faden durchziehen: mit einer dünnen Nadel oder einem Bohrer ein Loch für die Hängeschnur setzen
Der einzige Punkt, an dem ich als Erwachsene übernehme: die Heißklebepistole. Sie wird an der Spitze über 190 Grad heiß, und Korken sind klein genug, dass Kinderfinger schnell mit dranhängen – kleben lasse ich Ida zuschauen, nicht selbst machen.
Natur-Mobile aus Samen

Ein Natur-Mobile aus Samen ist bei uns das Projekt für den Spaziergang danach – Eicheln, Hagebutten, Bucheckern und Ahornsamen werden mit Nadel und stabilem Garn zu Ketten aufgefädelt und an einem Ast aufgehängt.
- Eicheln und Bucheckern vorher mit einer dicken Nadel durchbohren, solange sie noch etwas frisch sind – ausgetrocknet splittern sie leicht
- Hagebutten halten Farbe und Form am längsten und lassen sich am einfachsten aufreihen
- Perlen aus Naturmaterial oder Holz zwischen die Samen setzen, das lockert die Kette optisch auf
Wichtig, bevor ihr im Garten oder Wald sammelt: nicht jeder hübsche Samen gehört ins Mobile. Pfaffenhütchen, Liguster oder Stechpalme sind giftig, und gerade Kleinkinder stecken beim Sammeln gern mal was in den Mund. Nur Samen verarbeiten, die ihr sicher bestimmen könnt, und das Durchbohren mit der Nadel übernimmt bei uns grundsätzlich ein Erwachsener.
Eulen aus Papiertüten

Eulen aus Papiertüten sind das Projekt, mit dem ich unerfahrene Bastelgruppen anfange – braune Butterbrottüten, ein paar ausgeschnittene Federn aus Tonpapier oder Filz, große Wackelaugen und fertig.
Für unterschiedliche Federkleider
- Gestempelte Muster mit einem Korken oder Radiergummi-Stempel für Punkte und Halbkreise
- Fransenschnitt am unteren Rand der Tüte für einen strukturierten Bauch, ganz ohne zusätzliches Material
- Papierfedern in Schichten von hell zu dunkel überlappend aufkleben für einen realistischeren Look
Die Tüte bleibt dabei ungefüllt und flach, wird oben zusammengefaltet und an einer Kordel durch ein gestanztes Loch aufgehängt. Für Papier auf Papier reicht ein normaler Klebestift völlig – Heißkleber lohnt sich nur bei den etwas schwereren Filzfedern oder wenn die Tüte an einem windigen Fenster hängen soll.
Igel aus Tannenzapfen

Igel aus Tannenzapfen sind unser Klassiker für den ersten Waldspaziergang im Oktober – ein Filzköpfchen mit Wackelaugen und Nase wird an die geschlossene Spitze des Zapfens geklebt, fertig ist der Stachelrücken.
Bevor gebastelt wird, backe ich gesammelte Zapfen zehn Minuten bei 100 Grad im Backofen – nicht wegen der Form, sondern weil sich darin gern kleine Spinnen und Insekten verstecken, und die Wärme öffnet zusätzlich die Schuppen, sodass der Zapfen griffiger wird.
Zum Kleben taugt normaler Bastelkleber kaum, weil die Zapfenoberfläche zu uneben und harzig ist – hier braucht es Heißkleber, punktuell an drei, vier Stellen aufgetragen, damit das Filzköpfchen wirklich sitzt. Kinder dürfen das Köpfchen anlegen und andrücken, geklebt wird von uns Erwachsenen.
Salzteig-Blätter in Herbstfarben

Salzteig-Blätter sind bei uns eines der wenigen Projekte, bei dem die Wartezeit tatsächlich länger dauert als das Basteln selbst. Aus Mehl, Salz und Wasser im Verhältnis 2:1:1 knetest du in etwa fünfzehn Minuten einen glatten Teig, der sich mit Lebensmittelfarbe oder etwas Acrylfarbe direkt einfärben lässt.
Ausrollen, mit Ausstechern in Blattformen bringen, mit einem Zahnstocher feine Blattadern einritzen – das ist der Teil, den Kinder am liebsten machen. Danach trennen sich Arbeitszeit und Wartezeit klar: an der Luft trocknen die Blätter je nach Dicke zwei bis drei Tage, im Ofen bei 100 Grad geht es in etwa zwei Stunden, dafür werden die Farben etwas blasser.
Wer die Blätter aufhängen will, drückt vor dem Trocknen ein kleines Loch mit einem Strohhalm hinein – hinterher lässt sich der harte Teig nicht mehr bohren, ohne dass er reißt.
Zapfen-Autos mit Kastanien

Zapfen-Autos mit Kastanien sind das Projekt, mit dem selbst Kinder klarkommen, die vom stillen Kleben genug haben – hier wird gebaut, nicht nur beklebt. Ein länglicher Tannenzapfen wird zur Karosserie, vier Kastanien zu Rädern und eine kleine, farbig bemalte Kastanie oder Perle obendrauf zur Fahrerkabine.
Als Achse funktioniert ein Holzspieß oder ein stabiler Zahnstocher, der durch die Kastanien gesteckt wird – dafür braucht jede Kastanie vorher ein Loch, gebohrt mit einem dünnen Handbohrer oder vorsichtig mit einer Ahle. Genau dieser Schritt gehört komplett in Erwachsenenhände: Kastanien rollen beim Anbohren gern weg, und die spitzen Werkzeuge haben in Kinderhänden nichts zu suchen.
Ist die Achse einmal gesteckt, drehen sich die Räder erstaunlich gut, und die Autos werden bei uns zuverlässig noch tagelang über den Wohnzimmerboden geschickt, bevor sie in der Fensterbank-Deko landen.
Neun Ideen, ein gemeinsamer Nenner: das meiste davon liegt schon im Garten oder Wald, bevor überhaupt eine Schere zum Einsatz kommt. Welches Projekt bei euch als erstes ausprobiert wird, hängt wahrscheinlich davon ab, wer gerade mehr Lust auf Kleben oder auf Sammeln hat.

Gut zu wissen: eure Fragen
Welche Herbstbastelidee eignet sich für Kinder unter drei Jahren?
Blättergesichter und Zapfen-Autos funktionieren am besten, weil hier vor allem gelegt und gedrückt statt geschnitten wird. Bei Kastanien und kleinen Samen immer im Blick behalten, dass Kleinkinder gern alles in den Mund nehmen.
Wie bekomme ich bemalte Kastanien haltbarer?
Die Schale vorher leicht anschleifen oder dünn grundieren, dann Acrylfarbe auftragen und mit mattem Klarlack versiegeln – ungrundiert blättert die Farbe innerhalb weniger Tage wieder ab.
Ist Heißkleber für Herbstbasteln mit Kindern geeignet?
Für viele der hier gezeigten Projekte ist er das beste Klebemittel, weil er auf unebenen Naturmaterialien wie Zapfen oder Korken sofort hält – die Pistole selbst sollte aber wegen der Verbrennungsgefahr immer ein Erwachsener bedienen.
Wie lange halten sich gepresste Blätter für Bastelprojekte?
Richtig flach gepresst und trocken gelagert halten Blätter mehrere Wochen bis Monate, bevor sie brüchig werden – am längsten bleiben dickere Blätter wie Eiche und Ahorn farbstabil.





