Sechs weiße Keramik-Sechsecke, vier Fläschchen Alkoholtinte und ein Blasebalg – aus dieser Kombination wird in einem Nachmittag ein Set, das aussieht wie kleine Aquarelle unter Glas. Ich hab das Set für unseren Frühstückstisch gemacht, weil mir die gekauften Marmor-Untersetzer aus dem Deko-Laden für den Preis einfach zu dünn glasiert waren. Bevor du losfärbst, klären wir kurz, warum ausgerechnet die glasierte Oberfläche hier der eigentliche Trick ist – und nicht die Farbe.
Der Untergrund entscheidet: glasierte Keramik statt Papier

Alkoholtinte läuft auf saugendem Papier sofort ins Gewebe und verliert ihre Kontraste. Auf glasierter Keramik bleibt sie oben liegen und lässt sich verschieben, verblasen, schichten – genau das, was ein marmoriertes Muster braucht. Deshalb liegen hier sechs weiße, glasierte Sechseck-Untersetzer bereit, keine unglasierten oder porösen Fliesen aus der Reste-Kiste.
- Alkoholtinte in Rosa, Apricot, Gold und Türkis – die Basis-Palette, mehr braucht das Muster nicht
- Isopropylalkohol 99 % zum Verdünnen und Verlaufen lassen
- Blasebalg statt Pusten aus dem Mund – gleichmäßiger und ohne Spucke im Muster
- Nitrilhandschuhe, weil Alkoholtinte auf Haut und vor allem auf hellen Möbeln bleibende Flecken hinterlässt
Isopropylalkohol ist leicht entzündlich und die Dämpfe reizen bei schlechter Belüftung – ich arbeite am offenen Fenster oder auf der Terrasse, nicht am Küchentisch mit geschlossener Tür.
Erste Tropfen: Isopropylalkohol und Rosa-Apricot

Der erste Untersetzer liegt auf der Arbeitsfläche, ein paar Tropfen Isopropylalkohol landen mittig auf der glänzenden Glasur – das ist der Moment, in dem die Fläche „aktiviert” wird und die Tinte später frei laufen kann, statt sofort in einem harten Punkt zu trocknen. Direkt danach kommen die ersten Farbtropfen Rosa und Apricot dazu, dort, wo der Alkohol noch nass glänzt.
Ich tropfe hier bewusst weniger als ich denke zu brauchen: Alkoholtinte ist hochkonzentriert, ein einzelner Tropfen reicht für eine Fläche von zwei, drei Zentimetern. Wer zu viel auf einmal aufträgt, bekommt später eine geschlossene Fläche statt der offenen, marmorierten Struktur, die das Ganze so gut macht.
- Erst der Alkohol, dann die Farbe – nie umgekehrt
- Tropfenweise arbeiten, nicht die Flasche kippen
- Handschuhe an, bevor die erste Flasche aufgeht
Der Blasebalg macht die Muster

Jetzt kommt das Werkzeug, das den größten Unterschied macht: der Blasebalg. Ein kurzer Stoß Luft direkt über die noch nassen Farbtropfen, und Rosa und Apricot ziehen weiche, organische Schlieren nach außen. Auf dem Foto siehst du genau diesen Moment – die Farbe ist noch in Bewegung, die Ränder sind unscharf, in der Mitte bleiben helle, fast weiße Freiflächen stehen.
Genau diese hellen Lücken sind kein Fehler, sondern der Grund, warum das Muster später wie echter Marmor aussieht – ein durchgängig eingefärbter Untersetzer wirkt dagegen flach und leblos.
Wichtig: Der Blasebalg arbeitet aus kurzer Distanz und mit kurzen, gezielten Stößen. Wer aus der Nähe und dauerhaft pustet, drückt die Tinte einfach über den Rand statt sie zu verteilen – das hatte ich bei meinem allerersten Versuch, da lief mir Apricot-Tinte über die Tischplatte.
Schicht für Schicht: Pink und Gold dazu

Sobald die erste Schicht angetrocknet, aber noch leicht feucht ist, kommen weitere Tropfen in Pink und Gold dazu – dünn und gezielt, mit der Pipette direkt aus der Flasche. Auf dem Untersetzer im Bild siehst du schon deutlich mehr Tiefe als im Schritt davor: Die Goldtinte legt sich in feinen Adern über die rosa Flächen und bringt genau den metallischen Glanz, der später unter Klarlack besonders schön schimmert.
- Warten, bis die vorherige Schicht nicht mehr glänzend-nass ist – sonst verläuft alles zu einer Fläche
- Dünn auftragen, lieber dreimal wenig als einmal viel
- Muster von allen Seiten betrachten, bevor du weitermachst – Untersetzer werden meist von oben fotografiert, liegen im Alltag aber oft schräg im Blick
Wenn dir eine Fläche zu dunkel gerät, hilft ein einzelner frischer Tropfen Isopropylalkohol – er verdünnt die Farbe direkt an Ort und Stelle und öffnet die Fläche wieder etwas auf.
Das restliche Set: gleiche Palette, andere Verteilung

Drei Untersetzer sind fertig, drei liegen noch weiß da – jetzt wiederholst du die Technik, aber eben nicht identisch. Auf dem Foto erkennst du gut, dass jedes Stück eine andere Verteilung von Rosa, Gold und Türkis bekommen hat: mal dominiert Pink in der Mitte, mal zieht sich Türkis als schmaler Streifen am Rand entlang. Genau diese Variation macht aus sechs Einzelstücken ein zusammengehöriges Set statt sechs Kopien.
Meine Regel dafür: gleiche Farbpalette, gleiche Reihenfolge der Arbeitsschritte, aber bei jedem Stück eine andere Startposition für den ersten Tropfen. So bleibt die Optik stimmig, ohne dass die Untersetzer wie am Fließband aussehen. Wer möchte, kann bei einem oder zwei Stücken bewusst mehr Türkis zulassen – das bricht die Rosa-Apricot-Wärme der anderen und wirkt im fertigen Set wie ein bewusster Akzent, nicht wie ein Ausrutscher.
Trocknen lassen, dann Klarlack

Bevor irgendetwas versiegelt wird, müssen alle sechs Untersetzer vollständig durchtrocknen – bei Alkoholtinte auf Keramik meist 30 bis 60 Minuten, je nach Raumtemperatur und wie viele Schichten du aufgetragen hast. Erst wenn keine Stelle mehr glänzend-nass wirkt, kommt der Klarlack drauf, gleichmäßig und in dünner Schicht über die gesamte Oberfläche.
Der Sprühnebel des Klarlacks reizt Atemwege und ist leicht entzündlich, deshalb arbeite ich hier draußen auf der Terrasse und nicht im geschlossenen Wohnzimmer. Ich trage dabei weiterhin Nitrilhandschuhe und achte darauf, dass Kleister – unsere Katze – währenddessen woanders unterwegs ist, nicht auf dem Werktisch.
- Erst komplett trocken, dann lackieren – sonst verwischt der Lack das Muster
- Dünn und gleichmäßig sprühen, lieber zwei dünne Schichten als eine dicke
- Gut lüften, während der Lack aushärtet
Rückseiten mit Kork- oder Filzgleitern schützen

Ein Untersetzer, der die eigene Tischplatte zerkratzt, hat seinen Zweck verfehlt – deshalb bekommt jede Rückseite vier kleine Kork- oder Filzgleiter, an den Ecken gleichmäßig verteilt. Auf dem Foto siehst du das an einem gedrehten Stück: vier Punkte, symmetrisch gesetzt, sodass der Untersetzer nirgends wackelt.
Warum das nicht optional ist
Glasierte Keramik ist hart und die Kanten der Sechsecke sind scharf geschnitten – ohne Polster reibt das direkt auf Holz oder lackierten Oberflächen. Die Gleiter kosten ein paar Cent pro Stück und retten dir die Tischplatte, für die du vielleicht Wochen bei Kleinanzeigen gesucht hast.
Ich klebe sie erst auf, wenn der Klarlack auf der Vorderseite komplett durchgehärtet ist – frisch lackierte Untersetzer wollen nicht sofort umgedreht und belastet werden.
Fertig arrangiert – und ausgehärtet

Sechs fertige Untersetzer, dekorativ zueinander gedreht auf der Arbeitsfläche, eine Kaffeetasse mittendrin zur Probe – so sieht das Ergebnis nach dem letzten Schritt aus. Jedes Stück trägt sein eigenes Muster, alle bleiben in der gleichen Rosa-Gold-Türkis-Palette, und genau das hält das Set zusammen.
Auch wenn der Klarlack sich nach ein, zwei Stunden trocken anfühlt: Die vollständige Aushärtung dauert je nach Produkt oft 24 Stunden. Erst danach stelle ich heiße Tassen wirklich drauf. Und ganz ehrlich, hitzefest im Sinne von kochend heißem Topf werden diese Untersetzer trotz Lack nie – für den normalen Kaffeebecher reicht die Versiegelung locker.
Sechs Untersetzer, ein Nachmittag, und am Ende liegt auf dem Tisch etwas, das aussieht, als hätte es das ganze Rosa-Türkis-Set schon immer gegeben. Das schönste daran ist für mich, dass keine zwei Muster gleich wurden – genau das war der Plan.

- Material
- Werkzeug

Häufige Fragen
Welche Untersetzer eignen sich am besten für diese Technik?
Glasierte, glatte Keramik-Fliesen oder -Untersetzer sind ideal, weil Alkoholtinte darauf obenauf liegt und sich verschieben lässt. Unglasierte, raue oder poröse Materialien saugen die Farbe fleckig auf und lassen sich kaum kontrollieren.
Sind die fertigen Untersetzer lebensmittelecht?
Die Klarlack-Schicht liegt nur zwischen Muster und Umgebung, nicht zwischen Muster und Getränk – für normale Tassen und Gläser auf der Oberfläche ist das unproblematisch, direkten Lebensmittelkontakt würde ich damit trotzdem nicht empfehlen. Bei konkreten Fragen zur Eignung eines bestimmten Lacks hilft das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers weiter, nicht ich.
Was mache ich, wenn das Muster zu dunkel oder zu geschlossen geworden ist?
Solange die Tinte noch feucht ist, hilft ein frischer Tropfen Isopropylalkohol direkt auf der dunklen Stelle – er verdünnt die Farbe und öffnet die Fläche wieder auf. Ist alles schon durchgetrocknet, lässt sich das nicht mehr korrigieren, dann wird die nächste Schicht eben zum bewussten Akzent.







